Wenns Grün is, isses verdorben

Ich hasse Hipster

Überall trifft man sie mittlerweile an. Wie Vampire hauen sie ihre gebleachten Zähne in etablierte Subkulturen und entreißen sich willkürlich Stilmittel um aus dem daraus resultierendem und kreierten extravaganten Auftreten eine vermeintliche eigene Subkultur zu definieren – derart „erfolgreich“ das der Hipster selbst zum Sinnbild des Mainstream geworden ist. Ohne Rücksicht auf die jeweiligen Werte und Normen der angesaugten Subkultur bedient sich der parasitäre Hipster den verschiedensten Stilmittel und „entcoolt“ diese damit auf unabsehbare Zeit; Vollbärte, Pomade, Karohemden und Tattoos scheinen hoffnungslos an das Hipstertum verloren. Denn welcher aufrechte Chopperfahrer oder Rock‘N’Roller will schon noch durch das Tragen seines alten und liebgewonnenen Flanellhemdes für einen vegane Pampe fressenden und glutenfrei ejakulierenden Duttträger gehalten werden?
Gerade die Ausschlachtung von Badboy-Insignien wie Tattoos führen diese selbst ad absurdum. Tattoos sind teuer und waren entsprechend wohl überlegt, führten sie doch dereinst zur (erwünschten) gesellschaftlichen Ächtung. Heute hingegen hat gefühlt jeder zweite Sparkassen-Hengst Tattoos auf Händen, Hals und Gesicht. Woran kann man nun noch die guten alten Outlaws und „echten Kerle“ von den laktosefreien Erdbeerbartöl-Usern unterscheiden? Nun, bei ersterer Gruppe wachsen die eingenadelten Sigillen meist von dem nicht sichtbaren in den sichtbaren Bereich, also zum Beispiel vom Ober- zum Unterarm. Der parasitäre Flanellophile jedoch lässt sich zuerst die gut sichtbaren Stellen zuasphaltieren um sein hip-sein zu propagieren.
Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist die verschwulung der der Metallszene entrissenen männlichen Langhaarmähne. Doch was macht der hochwasserhosierte Standarttattooist? Er pervertiert die wallende Moshmatte zu einer fettigen, hochdrapierten Flusenrolle: dem Dutt. Von aufrechten Metallern wurde diese optische Frisurvergewaltigung im nur allerhöchsten Notfall und in Einzelfällen ab 50° im Hochsommer in der Dachgeschosswohnung unter Ausschluss der Öffentlichkeit angewandt, um der Bildung einer nicht löslichen Verbindung zwischen Mähne und Nacken zu verhindern. Der flusige Fleischverächter jedoch trägt diesen Haupthaarholocaust ganz bewusst zur schau – was gut für Unbeteiligte ist. Denn nicht grundlos sieht dieses Kopfgewächs einem oben geschlossenen Müllbeutel frappierend ähnlich. So weiß man direkt das sich eine Etage weiter unten nur Müll befinden kann.
Selbst in den keifenden, kreischenden, religionsverachtenden und misanthropischen Blackmetal als Subkultur einer Subkultur (nämlich der Metalszene) wurde hineinassimiliert und dieser vom Hipster als Kunstform für sich entdeckt. Nun steht er dort, mal bebärtet und verduttet, mal aalglatt und mit Hosenträgern, Nerdbrille und einem albernen Hut auf der Hirse, kritisch beäugt unter corpsepainttragenden Oldschoolern.
So twittern, yelpen, facebooken, instagrammen und tumblrn sich diese widerlichen gluten,- laktose und hirnbefreiten veganesen Duttlinge durch die ehemaligen Horte der Männlichkeit um sich nach getanem Werk in Hinterhofkneipen zu versammeln und über Kunst, Apps und Fahrräder zu lamentieren. Man kann nur hoffen das es sich irgendwann ausgehipstert hat und dann tausende von zutattoowierten Mangelernährten zu den Hautärzten pilgern um sich die „Jugendsünden“ weglasern zu lassen. Dann is hoffentlich wieder Ruhe im Puff und ich kann wieder frohen Mutes im Flanellhemd auf meinem Chopper durch die Stadt fahren und mich wieder über meine Tattoos freuen..