Wenns Grün is, isses verdorben

Ausgedieselt ?

Jetzt ist es also amtlich: Fahrverbote are coming. Und das bald und mit voller Härte.. Normalerweise nutze ich die “Präsidialen Gedanken” ja immer dazu meine Meinung unter die Leute zu bringen, mir dadurch Luft zu machen und vielleicht den ein oder anderen zum Schmunzeln zu bringen. Eigentlich war ich ja dabei was zum Thema “Weihnachtsmärkte” zu schreiben, dank den neuen Entwicklungen muss ich jedoch erstmal was zu den nahenden Fahrverboten tippen (aufgeschoben heißt aber nicht aufgehoben, versprochen). Allerdings ist mir bei diesem Thema das Lachen erstmal gründlich vergangen, und das obwohl ich gar kein Dieseltreiber bin. Aber eins nach dem anderen.
Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen stellte am 15.11.18 fest, dass auch in Essen Fahrverbote angeordnet werden müssen. Ab 1.7.2019 könnten damit für 18 Stadtteile sowie für eine Teilstrecke der A 40 Fahrverbote angeordnet werden, betroffen wären die Stadtteile Altendorf, Altenessen-Nord, Altenessen-Süd, Frillendorf, Frohnhausen, Holsterhausen, Huttrop, Kray, Leithe, Nordviertel, Ostviertel, Rüttenscheid, Stadtkern, Steele, Südostviertel, Südviertel, Vogelheim und das Westviertel (Quelle: https://www.essen.de/…/fahrverbotefuerdieselfahrzeuge.de.ht… ).
An sich stellen sich mir da schon die Nackenhaare auf, da es auf Grund von massiven Versagen der Regierung einmal mehr der “Normalo von Nebenan” ist der die Zeche zahlen soll und sich nun “mal eben” ein neues Vehikel zulegen soll. Kost’ ja nix. Kenne recht viele Leute im Freudes- und Arbeitskollegenkreis die direkt davon betroffen sind und keine Ahnung haben was sie nun tun sollen. Unter anderem auch eine Kollegin die sich vor vier Jahren nen neuen Dacia Duster kaufte und diesen nun nächstes Jahr gar nicht mehr fahren darf. Verkaufen geht nicht, da sie voraussichtlich nichts mehr dafür bekommt. Behalten auch nicht da man damit nicht mehr zur Arbeit kommt. Also doch abgeben? Und dann ein Auto weiter abbezahlen das man gar nicht mehr hat? Neu bei der ganzen Geschichte jedoch ist, dass auch ich selbst betroffen bin. Denn nun sind auch ältere Benziner (alles unter Euro3) betroffen. WTF? Ich und meine Freundin haben uns vor vier Jahren unseren Traum erfüllt und uns nen Pickup gekauft. Da das Ding nicht nur brutal aussehen sollte, sondern auch ordentlich was wegziehen muss hatten wir uns überlegt nen Diesel zu holen. Natürlich was älteres, die neuen sind nix um damit tatsächlich zu arbeiten.. Plastik statt Metall und so. Abgesehen davon habe ich ja (ähnlich wie bei Mopeds) nun mal ne Abneigung gegen neuere Fahrzeuge. Da wir aber in ner grünen Umweltzone wohnen war das Thema Diesel wieder recht schnell vom Tresen. Stattdessen ist unsere Wahl auf nen Chevy K1500 Silverado gefallen. Die letzte Baureihe mit dem guten, alten Chevy Smallblock mit 5,7l V8. Damit sich die Betriebskosten in Grenzen halten haben wir ihn als LKW zugelassen und ne Gasanlage verbauen lassen. Des weiteren haben wir ihm vor zwei Jahren noch ne neue Abgasanlage spendiert inklusive zweier flatschneuer Katalysatoren, welche sogar noch mehr rausfiltern als die originalen. Dennoch werden jetzt wieder die ganzen Umweltheinis mit ihrem Halbwissen anfangen rumzujaulen und was davon blabbern, dass das gerade die Spritfresser sind die von der Straße gehören. Denjenigen sei folgendes gesagt: Ich fahre zu 95% mit dem Bike zur Arbeit und nutze den Truck 1. zum Transport von Mopeds und Teilen, 2. im Winter bei Schnee und Eis für den Arbeitsweg und 3. in Verbindung mit nem selbst umgebauten Hardtop zum Camping. Unser Truck wurde im Jahre des Herren 1998 gefühlt von beidseitig handamputieren, inzuchtösen Hinterwältlern im Chevroletwerk krumm mit Second-Hand-China-Werkzeug zusammengedübelt. Seitdem hat er dennoch unter Einsatz von Herzblut und viel gutem Willen 500.000km abgerockt. Als Dank dafür frisst er neben Anlassern unser ganzes Geld auf und defäkiert gerne ein paar Troppen Öl auf den Bürgersteig. Trotzdem haben wir ihn lieb und fahren ihn gerne .. und wenn man den V8 blubbern hört verzeiht man ihm auch bereitwillig seine Eigenheiten.
Aber zurück zur eigentlichen Thematik: Fakt ist das unser Truck nach 500.000km wohl die in der Produktion “investierten” Emissionen längst gerechtfertigt hat. Fakt ist auch das durch die besseren Katalysatoren und die Gasanlage nur sehr wenig Emissionen entstehen. Denn Gas verbrennt deutlich schadstoffärmer als gewöhnliches Benzin (10% - 13% weniger Co2). Und nun die Frage: Ist unser Truck umweltfreundlicher, oder n moderner Kleinwagen mit 1l Hubraum und 120PS, der nach nicht mal 150.000km sein Leben aus dem Schrumpfmotor auspupst? Zumal der Emissionsaufwand bei der Produktion um ein vieles höherer ist, da die selbstangetriebenen Erdbeerkörbchen gespickt sind mit Sensoren, und X Steuergeräten. Denn dafür benötigt man sogenannte “seltene Erden”. Und die heißen nicht so weil sie so häufig vorkommen, sondern eben weil sie selten sind und in Dritte-Welt-Ländern oftmals unter sklavenähnlichen Bedingungen unter hoher Belastung der Umwelt gefördert werden.
Wir fahren also ein bereits existierendes Vehikel (keine weitere Belastung der Umwelt durch eine “Neuproduktion”), welches kaum bis keine schädlichen Abgase erzeugt. Und das darf ich jetzt nicht mehr fahren. Die Alternative? Die 55.000Euro für nen neuen RAM oder so fehlen mir leider.. abgesehen davon hätte ich da auch gar keinen Bock drauf. Soll ich mir jetzt so nen bepissten SUV holen plus nen Motorradanhänger plus nen Wohnwagen oder wie? Man könnte jetzt anführen dass es wohl wesentlich umweltschonender und nachhaltiger wäre die ach so “schmutzigen” Fahrzeuge weiter fahren zu lassen als sie, obwohl noch funktionsfähig, in die Presse zu verfrachten ( https://youtu.be/VG8j-g_Bhn8 ) oder auch das die Schadhaftigkeit der Abgase keinesfalls zweifelsfrei bewiesen ist (vgl. insbesondere die Beiträge von Lungenfacharzt Professor Dieter Köhler z.B. bei “Spiegel TV” https://youtu.be/tJbO3EMoqV4 ). Nicht falsch verstehen, grundsätzlich ist definitiv nix falsch daran dafür Sorge zu tragen das die Umwelt und damit auch Mensch und Tier geschützt und geschont wird. Doch wäre es nicht viel effektiver zu Erst die Hauptverursacher aus dem Verkehr zu ziehen? Ich denke da z.B. an die großen Frachtkähne, sowohl auf dem Meer als auch auf den Binnengewässern. Is nämlich toll wenn in Hamburg der Durchschnitts-Honk nicht mehr mit seinem Diesel Passat fahren darf, schräg gegenüber aber die AIDA anrollt. Die hat nämlich auch nicht gerade Euro 6.
Aber ich weiß, alles zetern wird nichts helfen, diskutieren und argumentieren auch nicht, denn mit gesundem Menschenverstand hat all dies offensichtlich eh nix zu tun. Was ich tun werde? Wohl erst mal abwarten und mich im Zweifelsfall in zivilem Ungehorsam üben.. Man kann nur hoffen das es vielleicht auch mal in Deutschland knallt und die Leute auf die Straße gehen, so wie es sogar die bekloppten Franzosen hinbekommen..