Wenns Grün is, isses verdorben

Günther, der Chamäleonmann und die Saisonpatrioten

Alle Jahre wieder ist es soweit. Überall erstrahlen die Banner der BRD und wehen stolz im Winde. Traut sich der durchschnittliche Bundesdeutsche auch nicht die Fahne „einfach mal so“ zu hissen, denn so würde er ja flux von der wachsamen Nachbarschaft als Nazi „enttarnt“ werden, so tut er es dann umso inbrünstiger wenn die WM/EM naht. Überall wieselt die Dienerschaft des runden Grals umher und tackert Deutschlandfahnen an alles was sich finden lässt. Insbesondere das eigene Vehikel dient hier bevorzugt als rollende Anmontierfläche für chinagefertigtes Germanenmerchandise – die Flagge auf der Motorhaube, Fähnchen auf dem Dach, Wimpel in den Scheiben und der intelligenzunterversorgte Pilot selbst im überteuerten Teutonentrikot, ja selbst in seinem schweißig-teigigem Gesicht prangt schwarz-rot-goldene Kriegsbemalung. Das größte Problem dabei ist bereits im letzten Satz versteckt genannt – chinagefertigt. Denn die Scheiße bleibt ja meist nicht am Bürgerkäfig pappen sondern reißt gerne mal auf der Autobahn ab, denn bei all dem Zutapezieren mit nationaler Fußballpropaganda hat der an Hirnschwund leidende Monteur oftmals nicht die Zeit oder neurale Kapazität die beigefügten Warnhinweise zur Kenntnis zu nehmen, denn in der Regel sind die Standarten der WM-Lemminge nur bis zu einer Geschwindigkeit von 80kmh (!!!) zugelassen. Nun wissen wir aber das die meisten BMW-, Audi und Mercedesmodelle mit einigen technischen Besonderheiten aufwarten: Neben dem nichtvorhandensein einer Blinkanlage können diese Vehikel nicht unter 180kmh fahren! Ein Abreißen der Bundeskriegsflaggen, insbesondere auf der Autobahn, ist also vorprogrammiert. So wird die Nutzung der Verkehrsadern zur Slalom-Challenge und wenn man als Kradmelder nicht ohne Vorwarnung von umherfliegenden `Schland-Wimpeln penetriert werden möchte sollte man tunlichst auf der Hut sein. Die Ordnungshüter scheinen hier freilich beide Augen zuzudrücken, ebenso bei fußballausgelösten Ruhestörungen aller Art, egal zu welchen Uhrzeiten. Allgemein scheint ein Großteil der BRD von temporärer Extremverblödung erfasst zu werden, sobald die WM naht. Auf einmal beginnen Leute, die normalerweise nichts mit Fußball zu tun haben und eigentlich auch überhaupt kein Interesse daran haben extrem am Rad zu drehen. So rottet sich alle Jahre wieder die Horde der Saisonpatrioten vorm Blödmacher, oder auch beim „Public-Viewing“, zusammen und skandiert laut „`Schland, `Schland!“ um unsere sogenannte Nationalmannschaft anzufeuern. Ich habe letztens den Kommentar gelesen, dass sich die Liste der Nationalspieler eher wie der Arbeitsplan der Spätschicht von McDonalds liest, das fand ich sehr treffend. Sollte nicht eine sogenannte „Nationalmannschaft“ das jeweilige Land sportlich repräsentieren? Was man so hört (ob man will oder nicht) spricht aber nicht gerade für eine adäquate Repräsentation des Heimatlandes. Offensichtlich weigern sich ja einige türkisch-stämmige Spieler die deutsche Nationalhymne mitzusingen, was ja nicht gerade für eine Wertschätzung des Landes, welches man ja repräsentieren soll, spricht. Keine Ahnung wie die Vögel heißen, ich hab’s nur peripher in den Nachrichten mitbekommen. Der eine von denen sieht auf jeden Fall aus als ob da im Gegensatz zu den bösen Nachreden keine Ziege im Genpool ist, sondern eher n Chamäleon. Is beim Fußball aber wahrscheinlich ein Vorteil da man so besser das Spielfeld im Blick hat. Der andere heißt Gündogan oder so. Weiß ich aber auch nur deswegen weil der und der Chamäleonmann beim Bosporus-Hitler zu Besuch waren. Hatte den Namen mitbekommen und mich gewundert warum der Nationalspieler Günther Garn dem Erdogan die Hand geschüttelt hat. Musste mich dann aber aufklären lassen das der Günther eigentlich Ilkay heißt und türkischstämmig ist. Man lernt nie aus. Meine Meinung dazu: Egal wie toll die spielen sollten, wer sich dem Land gegenüber in dem man lebt, durch das man alle Chancen hat und welches man die Ehre hat international repräsentieren zu dürfen derart respektlos und illoyal gegenüber zeigt, der hat auch in
der Nationalmannschaft nichts zu suchen. Lieber in Einigkeit, in Recht und in Freiheit verlieren als in Spaltung, Anarchie und Vormundschaft gewinnen. Aber unsere liebe Mutti-Merkel hat ja Günther und dem Chamäleonmann schon Absolution erteilt, von daher ist alles wieder gut. Aber ich schweife ab.
Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass die WM der heilige Gral für Fußballfans ist, warum aber Leute die nix mit dieser überflüssigen Pussysportart (Hihi) zu tun haben sich hier derart reineskalieren wird mir wohl für immer ein Rätsel bleiben. Mädels, die sich die ganze Zeit über ihre Freunde beschweren, die „nur Fußball im Kopf haben,“ mutieren plötzlich selbst zum Soccer-Sucker, weinen medienwirksam in die Kameras wenn die 11-Weisen-aus-dem-Abendland verlieren und schwenken das sonst verpönte schwarz-rot-goldene Tuch über der blondierten Hirse. Wahrscheinlich geht’s der breiten Masse mal wieder um nen Feiervorwand, so wie beim zunehmend entartenden Karneval oder dem wuchernden Oktoberfest, also letztendlich um nen Vorwand sich als angepasster Spießbürger mal so richtig daneben zu benehmen, aber eben unter gesellschaftlich anerkanntem Deckmantel. Vielleicht verstehe ich es deswegen ja nicht, da ich mich ja eh das ganze Jahr über nach Lust und Laune daneben benehme ;0)
Wenn Kollegen, Bekannte oder andere Mitmenschen spitz kriegen das man selbst nicht im Fußballstrom mitschwimmt, werden die fischigen Augen aufgerissen und ungläubig festgestellt: „Aber es ist doch Weltmeisterschaft!“ Fuck, ich gucke mir auch nicht die Weltmeisterschaft im Curling, im Hallenmikado oder Pfahlsitzen an, warum zum Teufel dann im Fußball?? Mal ehrlich, da rennen elf Baumschüler über einen mit Werbung zugepflasterten Grünstreifen und versuchen einen Ball per Stumpen in einen genetzten Torbogen zu bugsieren, welcher von einem gegnerischen Brückentroll bewacht wird. Wenn‘s gut läuft gibt’s auch mal nen Treffer alle 30 Minuten oder so. Wenn nicht gibt’s keinen. Und wenn einer nen Ball abkriegt oder von nem anderen Honk berührt wird, schmeißt er sich auf den Boden und schreit wie Opa damals in Stalingrad nach nem Bauchschuss. Wenn die Darbietung ausreichend war gibt’s nen Sonderpreis in Form von nem Freischuss (Elfmeter oder so). Laaaaaaaaaaaaaaangweilig.
Die einzige Entschädigung für die 24/7-multimediale-`Schland-Beschallung sind die freien Straßen. So kann man wunderbares post-apokalyptisches-menschenfrei-Feeling auf der Mopedtour genießen, auch wenn man beim Halt an der Eisdiele oder Pommesbude die unwirsche Bedienung oftmals erst vorm Fernseher im Bau hervorlocken muss um seine Bestellung los zu werden..